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Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Zurzeit muss ich mich gelegentlich gegen die Behauptung zur Wehr setzen, ein Bild könne so wahr oder falsch sein wie ein Aussagesatz - z. B. ein Foto, auf dem Trotzki wegretuschiert wurde, so falsch wie der Satz Den russischen Revolutionär Trotzki hat es nie gegeben. Intuitiv erscheint mir die Sache klar: Bilder haben keine Wahrheitswerte. Wohlgemerkt: Es geht mir nicht darum, ob Bilder der Wahrheitsfindung - etwa in polizeilichen Ermittlungen - dienen können.
Aber es ist nicht ganz leicht, zu begründen, ob ein Zeichen jeweils einen Wahrheitswert hat. (Aus meinem Diss-Vorwort:)

Zeichen welcher Art sind nicht wahrheitswertfähig? Alle Zeichen, die Propositionen ausdrücken, also etwas aussagen, das man mit dass-Sätzen bezeichnen kann, sind wahrheitswertfähig. Einige Propositionen handeln nicht nur von jeweils einem bestimmten Gegenstand, z. B. die durch Alle Frauen sind blond, Egon schwitzt und Emma hustet oder Egon hustet nicht ausgedrückten. Vielleicht besteht darüber Einigkeit, dass Bilder als Zeichen für derartige Propositionen am wenigsten zu erwägen sind (vgl. Husserl LU Niemeyer: 160). ‚Elementare’ Propositionen hingegen schreiben jeweils einem bestimmten Gegenstand eine Eigenschaft zu. Können Bilder einer Sache eine Eigenschaft zuschreiben? Ein Bild mag eine Situation zeigen. Damit es einer bestimmten Situation auch eine Eigenschaft zuschreibt, muss zumindest gewährleistet sein, dass es ihr deren Identität zuschreibt. Der Satz Der letzte französische König hatte mit sieben Jahren zwei Augen schreibt einem hinreichend bestimmten Individuum eine Eigenschaft zu und ist daher wahrheitswertfähig. Diese Wahrheitswertfähigkeit besteht unabhängig von Absichten eines Sprechers, der ihn äußert. Denn sie ist auch dann gegeben, wenn der Satz etwa als zufälliges Produkt der Stellung von Ameisen auf einem Feldweg vorkommt. Was nun die in einem Bild jeweils zu sehende Situation betrifft, kann man nur sagen, dass die betreffende Situation allenfalls so aussieht, als wäre sie die-und-die Situation, die dann-und-dann an dem-und-dem Ort bestand.  Selbst wenn zwei Bilder ai und aj genau gleich aussehen, mögen sie jeweils verschiedene – wenn auch gleich aussehende – Situationen bi und bj zeigen. Auf bi mag zutreffen, was ai über die Situation bi nahelegt. Aber auf bj trifft vielleicht nicht zu, was aj über bj nahelegt. Obwohl beide Bilder ai und aj in dem Sinne typidentisch sind, in dem es zwei verschiedene Exemplare des Satzes Der letzte französische König hatte mit sieben Jahren zwei Augen in einem Buch sind, mögen die Bilder verschiedene Situationen zeigen, während die beiden Satzexemplare ganz sicher dieselbe Proposition bedeuten. Mit der Gestalt eines Bildes ist nicht die Identität seines Gegenstandes, also die Identität dessen, wovon es Bild ist, verknüpft – anders als bei einem genau formulierten Aussagesatz unabhängig von seinem Vorkommen das Denotat des Subjekts feststeht. Daher kann dasselbe Bild für verschiedene Betrachter Bild von Verschiedenem sein – jedenfalls sofern die Identität des Dargestellten nicht kodiert ist. Durchaus kann man mit Recht von einer bestimmten Sorte von Bildern behaupten, dass sie Bilder von jeweils bestimmten Individuen (seien es auch individuelle Situationen) sind. Es handelt sich um solche Bilder, die kodiert sind hinsichtlich der Identität ihrer Sujets. Beispielsweise sind typische Darstellungen des heiligen Petrus genau bestimmt in Bezug auf die Identität ihres Gegenstandes, und zwar mittels eines Signifikanten, der darin besteht, dass das Bild jeweils einen Mann mit einem großen Schlüssel in der Hand zeigt. Nehmen wir ein Bild, auf dem der heilige Petrus in der genannten Art dargestellt ist, allerdings als Autofahrer. Schreibt das Bild Petrus die Eigenschaft zu, Auto zu fahren? Ist, wenn der heilige Petrus auf diese Weise als in einem Auto fahrend dargestellt ist, das Bild falsch, weil Petrus nicht Auto fuhr? Diese Annahme klingt abwegig. Man würde wohl sagen: Das Bild zeigt eine Situation, in der Petrus Auto fährt. Nicht aber: Das Bild besagt, dass Petrus Auto fuhr. Offenbar ordnet man einem Bild nicht eine Proposition zu so, wie man einem – genau formulierten – Satz eine Proposition zuordnet. Das Bild zeigt etwas, aber es zeigt nicht, dass etwas der Fall ist. Und wenn Bilder verwendet werden, um Botschaften nahezulegen – zweifellos eine gängige Praxis –, dann ist es gegebenenfalls erst die ‚Interpretation des Bildes’, die diese Botschaften ausdrückt, nicht das ‚interpretierte’ Bild. Daher liegt es nahe, dass Bilder generell nicht jeweils einem bestimmten Gegenstand Eigenschaften zuschreiben und Propositionen ausdrücken. (Durchaus dürften Bilder Anzeichen für Propositionen sein. Aber das ist etwas anderes als, Propositionen auszusagen oder auszudrücken: Ein Satz drückt ja nicht deshalb eine Proposition aus, weil er Anzeichen für die Proposition, die er ausdrückt, wäre.)

Bearbeitet von: claus
Jul-19-10 11:01:19

claus
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Das ist in dem Aufstz "Can Pictures Lie?" geklärt: http://www.chass.utoronto.ca/epc/srb/srb/pictures.html
Nöths Artikel stamt von 1995. Dasselbe findet man auch in dem Buch "Pictures and their Use in Communication" (Kap. 5) von David Novitz aus dem Jahr 1977, welches Nöth leider nicht erwähnt.
Dass Aussondern einer bestimmten Proposition und eines bestimmten Illukotionsakts wie "(Hiermit behaupte ich), Willi Brandt kniete im Warschauer Ghetto" geschieht durch Kontext, Voreinstellungen, Konventionen oder Begleitzeichen. Nicht Bilder lügen, aber man kann MIT Bildern lügen, wenn man die genannten Faktoren steuert oder ausnutzt.

Detlef_R
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Danke! Wenn die Disambiguierung durch den Kontext mit diesem Aufsatz als geradezu geklärt gilt, ist mir das sehr recht. Merkwürdigerweise bin ich mit einem Beharren auf der Wahrheitswertfähigkeit von Bildern - in einem ähnlichen Sinne wie dem, in dem sie bei Sätzen ohne Deiktika möglich ist - konfrontiert.

claus
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Ist es nicht so, dass Nöth nur feststellt, dass man mit Bildern assertiv handeln kann (so dass man mit Bildern auch lügen könne) so, wie man mit Sätzen assertiv handeln kann ?      Meine Frage war eher: Können Bilder wahr oder falsch sein unabhängig von Senderabsichten so wie ein Aussageatz, der keine Deixis aufweist (etwa Der französische König des Jahres 1788 n. Chr. hatte zwei Augen)?  Nöth liefert allerlei gute Gründe, warum das bei Bildern, so wie man sie kennt, nicht der Fall ist. Lieber wäre mir, er würde allegemeine Eigenschaften von Bildern nennen, derentwegen es bei Bildern nicht möglich ist.   
Mal sehr blumig mit Bezug auf Welten gesagt: Ein Aussagesatz ist wahr nur in der wirklichen Welt. (Auch Tony Buddenbrook war zweimal verheiratet ist wahr mit Bezug auf die wirkliche Welt, sofern es in der wirklichen Welt wahr ist, dass es in der Buddenbrook-Roman-Welt wahr ist.) Und Bilder haben die merkwürdige Eigenschaft: Jedes ('gegenständliche') Bild hat genau eine Bildwelt. Da jedes Foto retuschiert oder anderweitig verändert worden sein kann, ist diese Bildwelt nie die wirkliche Welt.

claus
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Erstmal sollte ich sagen, dass ich weiß, ob "die Disambiguierung durch den Kontext mit diesem Aufsatz als geradezu geklärt gilt". Zunächst einmal ist das nur für mich so, und ich habe leider niemals bemerkt, dass jemand den Aufsatz überhaupt kennt.
Bei der Frage des Wahrheitswertes von Aussagen über fiktionale Welten weigert sich mein gesunder Menschenverstand, diesbezüglichen Spitzfindigkeiten zu folgen. Tony Buddenbrock war nicht zweimal verheiratet, weil er nie existiert hat. Wenn jemand etwas anderes behauptet hat er einen Wahrheitsbegriff, den ich nicht nachvollziehen kann. Mir scheint aber, dass das hier erst einmal egal ist.
Im Grund kann ich Deiner brillianten Einleitung ganz pben nichts neues hinzufügen, außer vielleicht, dass das Problem eventuell verschwindet, wenn man Propositionen und Assertionen auseinander hält: Auch der Aussagesatz mit dem König ist außerhalb seines Gebrauchs weder war noch falsch. Er hat nur eine Proposition zum Inhalt, und erst, wenn jemand diese behauptet, haben wir etwas, dass wahr oder falsch sein kann, eben die Behauptung. Man stelle sich vor, der Satz erscheint mit vielen anderen auf einem Fragebogen und soll auf seine relative Schönheit hin beurteilt werden. Sagt dann eine Testperson: "Aber das ist ja gar nicht wahr!", ist diese Bemerkung ganz offensichtlich deplaziert, weil ja niemand etwas behauptet hat. Genauso bei Bildern. Hier kommt aber hinzu, dass sie sogar unendlich viele Propositionen enthalten, so dass man auch noch klarmachen muss, welche davon ggf. behauptet wird. Bei einem Milka-Werbefoto können wir sehen, dass Schnee auf den Bergen liegt, dass die Kuh lila ist, dass auf der Wiese Blumen wachsen, dass auf der Alm ein Haus steht usw. usw. Welches die intendierte Proposition ist (falls nicht nur ein Wittgensteinsches Propositionsradikal vorliegt), können wir an Hand des Bildes allein nicht feststellen. Angenommen, es ginge um die lila Kuh. Dann wissen wir wiederum nicht, ob das Bild behaupten soll, dass die Kuh lila ist, oder ob es auffordern will, die Kuk lila anzumalen, oder ob es die Drohung ist, dies morgen zu tun. Als Rezipienten haben wir natürlich Hypothesen dazu, und der professionelle visuelle Rhetoriker kann diese voraussehen und damit spielen. Sehen wir ein Foto im Nachrichtenteil einer Zeitung, glauben wir auf Grund einer Konvention, dass einiges von dem, was darauf zu sehen ist, behauptet wird. Manipuliert der Herausgeber das Bild, dann lügt er (nicht das Bild), deswegen weil er sich nicht darauf berufen kann, er hätte das Dargestellte nicht behauptet.

Detlef_R
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Puh, eben verschwand meine Antwort, und ich war ausgeloggt. Jetzt keine Lust mehr. Nur eben das Wichtigste: Bilder enthalten meines Erachtens überhaupt nicht Propositionen so, wie es bei Aussagesätzen der Fall ist. Sie bieten nur Anzeichen für Propositionen über ihren Bildgegenstand (z. B. das Bild "Mona Lisa" Anzeichen dafür, dass die Dargestellte lange Haare hat) - und Aussagesätze bedeuten gerade nicht deshalb Propositionen, weil sie Anzeichen für diese wären. Schon da verhalten sich beide ganz unterschiedlich.
Offenbar sind wir uns ja darin einig, dass man über den Gegenstand des Bildes "Mona Lisa" wie über einen Menschen reden kann - während das Bild für Goodman nur ein Mensch-Bild ist, das nicht Bild von etwas ist, das Mensch ist. (Oder nicht? Dann wirds kompliziert ...)     
Vielen Dank noch für den Link zum Nöth-Text!

claus
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Das soll hier ja eigentlich kein Disput werden. Ich sage deshalb einfach mal, mit welchen Glaubenssätzen ich bisher einigermaßen ruhig schlafen konnte, zu recht oder zu unrecht.
Ersteinmal etwas abseitiges: Goodman leugnet meinem Verständnis nach nicht, dass Bilder von wirklichen Objekten diese Objekte denotieren. Es gibt daher für ihn durchaus auch Bilder von X. Nur für den Fall fiktionaler Bilder hat er eine nichtdenotierende Referenz namens Exemplifizierung "erfunden", was dann zu solchen Klassenbezeichnungen wie Einhorn-Bild führt. 
Das mit den Anzeichen in Bildern sehe ich irgendwie weniger komplex. Ich schwenke jetzt einmal auf das Begriffspaar Ausdruck/Inhalt um. Der Inhalt von Aussagesätzen (vom König mit zwei Augen z.B.) ist etwas geistiges, nämlich eine Vorstellung von einem Bezugsgegenstand (hier Ludwig dem Sechzehnten), an dem die Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Eigenschaft (hier die Zweiäugigkeit) fokussiert ist.
Diesen Inhalt kann man nun in verschiedenen Zeichensystemen zum Ausdruck bringen, beispielsweise sprachlich wie bereits geschehen oder als Gemälde, in dem das Gesicht zu erkennen ist. Nichtsprachliche Ausdrücken können allerdings die erwähnten Fokussierung nicht eindeutig darstellen. Man weiß nicht, was Subjekt und Prädikat bzw. Thema und Rhema ist. Beide Ausdrucksweise enthalten den besprochenen Inhalt (den ich wie vielleicht zu ahnen war mit einer Proposition gleichsetze) aber direkt. Das Bild ist kein oder enthält daher keine Anzeichen.
Der Gedanke mit dem Anzeichen kommt wohl aus der Annahme, man müsse ein Bild erst in Sprache übersetzen, um zum Inhalt vorzudringen, wobei das Bild die Hinweise bereitstellt, welche sprachlichen Äußerungen dies dann sein könnten (?).

Detlef_R
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Anzeichen jetzt mal etwa im Sinne Husserl/Posner: Etwas a2 ist ein Anzeichen für den Empfänger a1 dafür, dass p, sofern das 'Registrieren', (das übersieht Posner), z. B. Wahrnehmen, von a2 durch a1 bei a1 bewirkt, dass a1 glaubt, dass p.
Ist dann nicht das Bild "Mona Lisa" gerade Bild von einer Frau, sofern seine Wahrnehmung beim Betrachter den Glauben, dass die im Bild zu Sehende eine Frau ist, bewirkt - also sofern es Anzeichen dafür ist, dass die im Bild zu Sehende eine Frau ist (gender usw. beiseite)  ?
Das unterscheidet gerade das Bild als 'Bild von einer Frau' von Sätzen über Frauen als solche, da ein Satz nicht deshalb eine Proposition bedeutet, weil er Anzeichen für sie wäre.

Detlef_R hat geschrieben:

Der Gedanke mit dem Anzeichen kommt wohl aus der Annahme, man müsse ein Bild erst in Sprache übersetzen, um zum Inhalt vorzudringen,

Nei, gerade nicht. Bild und 'Inhalt' verhalten sich ganz anders zueinander als Satz und 'Inhalt'. Ein Satz bedeutet (idealerweise) eine Proposition. IN einem Bild ist etwas als etwas zu SEHEN (Um Wollheims Sehen-in kommt man nicht herum.)

claus
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Ich kenne leider weder Husserls Werke noch Wollheims Schrifen, aber die halbformalisierte Darstellung des Anzeichenprozesses  reicht für die Diskussion wohl. Zum einen kann in dieser Darstellung a2 ebensogut ein gesprochener oder geschriebener Text sein, d.h. es ist in dieser Anzeichendefinition kein Unterschied zwischen Bild und Text. Ich verstand unter Anzeichen einen Index im Peirceschen Sinn, d.h. ein Zeichen, dessen Objekt man über eine Inferenz erreicht. Da Bilder als Musterbeispiele für Ikone gelten hatte ich ein Problem mit dem Bild als Anzeichen.
Aber OK, wir kommen glücklich auf die Ausgangsfrage, denn ich meine, dass Bilder von sich aus nicht dazu führen, dass a1 etwas glaubt, denn glauben heißt, davon überzeugt zu sein, dass p eine Tatsache ist. Dies geschieht aber nur dann, wenn ein Sender (wie anonym oder verborgen auch immer) mit Hilfe des Bildes die Behauptung aufstellt, dass p (oder wenn der Rezipient eine solche Behauptung voraussetzt).
Übrigens wäre im Falle von p=/Dies ist eine Frau/ das Bild nur für das Prädikat zuständig (vergleiche Nöths Husky-Beispiel).
Zu Posner: Er übersieht nichts sondert definiert die Zeichenereignisse (unausgesprochen allerdings) als Perzepte. Die Registrierung ist also inbegriffen.

Detlef_R
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Immer mehr Teufel in Details! ich sehe einen fetten Unterschied zwischen dem Bedeuten einer Proposition durch einen Aussagesatz und dem Bedeuten (i. w. S.) einer Proposition durch ein Anzeichen - vgl. die ganze Diskussion Grice-Strawson-Schiffer-Meggle darüber, wie konventionelles sprachliches Bedeuten u. a. auf Anzeichen aufbaut (aber es ist da viel komplizierter).
Was Posners "Believing, Intending, ..." angeht: wäre einen Thread wert. Dieser Text war für mich eine große Bereicherung, und ich verstehe nicht, weshalb er gerade unter Semiotikern wenig Beachtung findet. Aber die von Posner angedachten Explikationen können/müssen für bestimmte Zwecke noch ausformuliert werden. Habe mir aber den Finger darüber wund geschrieben und bin es ein bisschen leid. In seinen Paraphrasen ist in der Tat ab und zu das Registrieren erwähnt. Aber Definitionscharakter sollen seine halbformalen Zeichen haben, und da beschreibt sein E(f) -> G(a,p) einen Anzeichenprozess und E(f) -> E(e) einen bloßen Kausalprozess, der nicht unbedingt ein Anzeichenprozess zu sein braucht. Offenbar ist in E(f) also nicht inbegriffen, dass ein Empfänger das Zeichen f registriert. Auch die Beschreibungen, die er liefert, legen das nicht nahe. Es heißt z. B., ein Knall bewirke ein Auffliegen u. dgl. (wobei er es unnötig verkompliziert dadurch, dass es ein Vorkommen eines Knalls zu einer Zeit an einem Ort sei).  Dass eine zweistellige Beziehung zwischen Empfänger und Zeichen, jenes 'Registrieren', sogar als GRUNDBEGRIFF gebraucht wird, sollte schon sehr deutlich gesagt werden. (Dann kann man übrigens getrost auf das "E" verzichten.) Und dann wird die Zeichendefinition 'in seinem Sinne' auch viel plausibler: Etwas ist ein Zeichen gdw. seine Registrierung/Wahrnehmung bei einem Empfänger etwas bewirkt oder dies von jemandem beabsichtigt ist.
(Dass Posner sich zum Beispiel das Vorkommen eines Knalls zu einer Zeit an einem Ort klar als Perzept denkt, erscheint mir übrigens abwegig. An welchem Ort ist dieses Knallvorkommen? Es wäre also immer im Vogel, dessen Auffliegen es bewirkt. Hilft nichts: Solche wichtigen Voraussetzungen gehören ausdrücklich in die Definition. Ich bin in den letzten Jahren ständig mit neuen Ad-hoc-Interpretationen jener Halbformeln konfrontiert worden und fürchte, dass er sich nicht auf eine klare Interpretation festlegen will, weil er dadurch erst kritisierbar wird.)

claus
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