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Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

denn ich meine, dass Bilder von sich aus nicht dazu führen, dass a1 etwas glaubt, denn glauben heißt, davon überzeugt zu sein, dass p eine Tatsache ist. Dies geschieht aber nur dann, wenn ein Sender (wie anonym oder verborgen auch immer) mit Hilfe des Bildes die Behauptung aufstellt, dass p (oder wenn der Rezipient eine solche Behauptung voraussetzt).
Übrigens wäre im Falle von p=/Dies ist eine Frau/ das Bild nur für das Prädikat zuständig (vergleiche Nöths Husky-Beispiel).

Noch dazu: Hier merkt man wieder, dass einem die Frage nach dem 'ontologischen Status' fiktionaler Dinge dauernd in die Qere kommt. Ich habe überhaupt kein Problem damit, zu behaupten, dass ein Bild in einem Donald-Duck-Comic ein Anzeichen (etwa im Posnerschen Sinne) dafür ist/bietet, dass Donald Duck einen Schnabel hat. Die von mir geglaubte Proposition, für die der Comic Anzeichen ist, ist dann eine Proposition über Donald Duck.    Wenn in der Schule über Romanfiguren geredet wird, werden doch lauter Sätze geäußert, die nicht schon deswegen unsinnig wären, weil es die betr. Romanfigur nicht WIRKLICH gibt. Hier haben wir es dauernd mit dem von Meinong so genannten Vorurteil zugunsten der Wirklichkeit zu tun. Ich würde sagen: Es gibt alles, wozu man in einer (im Brentano-Husserl-Sinne) intentionalen Beziehung stehen kann. Und einiges davon gibt es wirklich.   
Dazu auch aus meinen Diss-Texten:
##text##

claus
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Vielleicht helfen auch die entsprechenden Einträge im "Glossar der Bildphilosophie" weiter, etwa dieser: http://www.gib.uni-tuebingen.de/netzwer … _Sachbezug

JRJS
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Re: Haben Bilder jeweils einen Wahrheitswert?

Danke für den Link!!

Zu dem Text möchte ich einiges anmerken.
- Es werden Interaktionsbezug, Selbstbezug und Sachbezug offenbar als etwas allgemein Semiotisches angenommen. Nun interessiert vor allem, was mit diesen Ausdrücken benannte Begriffe für Erklärungen leisten.
Ist ein Selbstbezug immer gegeben?   Ich plädiere für ein Nein. Was Bilder betrifft, weise ich auf die anzunehmende große Verwandtschaft typischer Bilder (z. B. da Vincis Mona Lisa oder Foto meiner Großtante) mit solchen Dingen hin, IN denen man etwas SIEHT, ohne dass das beabsichtigt ist, also mit in diesem Sinne ‚senderlosen Bildern’. Das greife ich gleich wieder auf. Ich sage ja nicht, dass das die typischsten Bilder sind. Aber haben sie nicht eine Menge mit besonders typischen Bildern zu tun?
- Der Anspruch einer „grundlegenden illokutionären Funktion des Bildgebrauchs“ ist zu begrüßen. Ich meine, dass dem der Anspruch, ‚universalere’ semiotische Grundbegriffe in Explikationen zu verwenden, entgegenkommt. (Bei Posner (1993, 1994) sind dies „glauben“, „bewirken“, „beabsichtigen“. Für Bilder ist meines Erachtens zusätzlich „sehen in“ gut zu rechtfertigen.)
- Der Selbstbezug soll offenbar den Bezug auf Fiktionales erklären helfen: Indem der Empfänger erkennt, dass sich der Sender auf nicht tatsächlich Anwesendes bezieht, entstehe Bezug auf  Fiktionales. Ich meine: Das ist unnötig, da schon in einer Art ‚senderlosen Bildern’ Fiktionales gesehen wird. (Diese scheinen ja nicht nur von Menschen erlebt zu werden – vgl. fernsehende Gorillas u. dgl.)
Einen notwendigen Selbstbezug eines Senders würde ich aufgrund der als ‚Grice’schen Mechanismus’ diskutierten Bedingung von Kommunikation i. e. S. erst bei Kommunikation i. e. S. annehmen. (d. h. wenn jemand etwas mit einer Äußerung MEINT)
Vgl. http://www.sozphil.uni-leipzig.de/cm/ph … /1993e.pdf

- Man sagt nicht (jedenfalls nicht ganz akzeptabel) „Dieses Bild ist wahr“. Warum nicht?
Wahr ist ein Aussagesatz ggf. auch deshalb, weil das, was sein Subjekt bezeichnet, die Eigenschaft hat, die ihm die VP zuschreibt. Bei Bildern haben wir eben diese grammatische Aufteilung gerade nicht. U. a. das war der Punkt zum Beispiel in
Claus Schlaberg: „Grundzüge einer Syntax des Bildes auf der Basis des Gegenstandsbezugs“
(http://stauffenburg.de/restore/asp/books.asp?id=1194 )

[Wenn man von 'wahren Bildern' a2 spricht, meint man wohl am ehesten etwas folgender Art:
<Es gibt tatsächlich eine Szene a3 derart, dass der Sender von a2 beabsichtigt, dass a3 (als diese Szene) in a2 für jeden, der die Bedingungen B erfüllt, zu sehen ist.>
Beispiel: Foto von aus napalmbeschossenem Wald laufenden Kindern ->   Es gab tatsächlich eine Szene derart, dass
- Kinder nackt weglaufen,
- hinter diesen Kindern keine Fotografen herlaufen
- auf diese Szene zutrifft, was an Kontextinfos geliefert wird (z. B. in Vietnam usw. gemacht)

Als was man a3 sieht, ist typischerweise ein vom Sender beabsichtigtes Glauben der Empfänger. Die flapsige Rede von 'wahren Bildern' nimmt auf solches Beabsichtigen von Glauben Bezug.  (Indexikaler Bezug auf die Entstehungssituation ist nicht erforderlich, wenn man auch von Gemälden als 'wahren Bildern' sprechen möchte.   Aber - wie gesagt - ist mir diese Redeweise überhaupt zu wenig akzeptabel.]

claus
ICH
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